Philosophie

Wer sind die Jusos und wofür stehen sie?

Die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD, kurz Jusos, ist die Jugendorganisation der SPD. Sie sieht sich jedoch nicht als eine brave, der Mutterpartei treu ergebene Jugendorganisation, sondern insbesondere seit der “Linkswende” von 1969 als weitgehend eigenständiger “sozialistischer, feministischer und internationalistischer Richtungsverband” innerhalb der SPD.

Die Jusos selbst sehen sich auch als Gewissen der SPD, und nicht selten kommen sie daher auch in Konflikt mit der Mutterpartei. Insbesondere viele agendapolitische Projekte der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder (1998-2005) lehnten die Jusos als “neoliberal” ab.

Soziale Gerechtigkeit” wird von den Jusos groß geschrieben, denn sie wollen Chancengleichheit für jedermann, unabhängig von der sozialen Herkunft. So wird beispielsweise ein komplett kostenloser Zugang zum Bildungswesen verlangt, worunter auch die Forderung nach der Abschaffung von Studiengebühren fallen würde.

Auch Freiheit und Demokratie sind zentrale Begriffe für die Jusos. Unter dem Slogan von Willy Brandt (“Wir wollen mehr Demokratie wagen”) setzen sich die Jusos für eine stärkere Beteiligung der Bürger am politischen (z.B. durch Volksentscheide), aber auch wirtschaftlichen Leben (Stärkung der Betriebsräte etc.) ein, derweil man unter dem Schlagwort “Freiheit” jegliche Tendenzen eines aufkeimenden Überwachungsstaates (Pläne zur Vorratsdatenspeicherung und Videoüberwachung, willkürlicher Internetsperren etc.) unterbinden und den Bürger durch eine sozialere Politik zu mehr Bewegungsfreiheit verhelfen will.

Die Jusos fordern daher u.a. eine Abkehr vom reinen Marktradikalismus. Sie fordern mehr Instrumente zur Regulierung des internationalen Finanzmarktes, mehr Beteiligung der Bürger am wirtschaftlichen Leben und vor allem eine angemessene und nachhaltige Sozialpolitik. Dies sind Bestandteile des von den Jusos vertretenen “Demokratischen Sozialismus“, wobei dies nicht mit dem marxistisch-ideologischen Sozialismus der DDR und des ehemaligen Ostblocks gleichzusetzen ist, wovon sich die Jusos schon seit Langem distanziert haben. Der Traum der Jusos bleibt eine Gesellschaft, in der Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit verwirklicht sind.

Solidarität” wird bei den Jusos groß geschrieben, weshalb man sich nicht nur innerhalb Deutschlands für eine sozialere Gesellschaft einsetzt: Unter dem berühmtem Stichwort “Internationalismus” fordern die Jusos die Regierung und Bürgerinnen und Bürger zu einem stärkeren globalen Bewusstsein, internationalem Zusammenhalt und multinationaler Kooperation auf, getreu dem Motto: “Global denken, lokal handeln!” Dies betrifft insbesondere die Umweltpolitik, wo sich die Jusos vehement für eine umweltfreundlichere und ökologisch-wirtschaftlich-fortschrittliche Politik einsetzen. So haben die Jusos den Ausstieg aus der Atomenergie schon lange Zeit vorher gefordert, bevor die damalige rot-grüne Regierung überhaupt erst den Atomausstieg beschloss.

Allgemein gelten die Jusos als ein sehr offener Verband mit zahlreichen unterschiedlichen Meinungen und Strömungen innerhalb der eigenen Organisation. Des Weiteren gibt es zahlreiche Unterschiede zwischen den einzelnen Landesverbänden, als auch zwischen den Unterbezirken/Kreisen selbst. Es wäre daher sinnvoll, sich am besten über das Programm eurer Jusos selbst zu informieren – und gegebenenfalls selber darauf Einfluss zu nehmen. ;)